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Review

Wareika – Wternal

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Ist man bereits in dem Moment gefangen, in welchem man „Play“ gedrückt hat, so ist es schwierig, über ein soeben erschienenes Album zu schreiben.

Man könnte Lobpreisungen, Huldigungen und dergleichen mehr aussprechen. Man könnte darüber berichten, dass es ein absoluter Hochgenuss ist, die Musikalität und Entwicklung in Wareikas Produktionen nun erneut kulminiert in Langspielformat zu genießen. Man könnte sich damit begnügen, zu sagen, dass „Wternal“ ein tolles Album ist.

All das könnte man tun – und man würde eventuell in Verdacht geraten, nicht nur ge- sondern auch befangen zu sein.

Dieses Werk ist etwas Besonderes, das steht für mich nach mehrmaligem Durchhören fest. Fest steht allerdings auch, dass mir „Wternal“ mit einem Titel weniger noch besser gefallen hätte.

Wareika’s „Wternal“ ist das dritte Album der Band, bestehend aus Henrik Raabe, Jakob Seidensticker und Florian Schirmacher. Nach „Formation“ auf Tartelet Records, „Harmonie Park“ auf Perlon und der Remix-Compilation „Per Aspera Ad Astra“ auf Connaisseur Recordings haben die drei viele verschiedene Stimmungen und Eindrücke aus ihren zahlreichen Liveauftritten rund um den Globus eingefangen und in eine sehr stimmige Komposition überführt.

Erschienen auf Seth Troxlers hochgelobtem US-amerikanischen Label Visionquest, ist „Wternal“ als durchgehender Mix aus zwölf Stücken (13 in der digitalen Ausgabe) konzipiert. So (durchgehend) sollte diese Musik, wie eigentlich alle Alben, meiner Meinung nach auch gehört werden – zurück zur Langsamkeit, sich Zeit nehmend, Musik bewusst zu genießen. Auch mehrmals…

Die musikalische Bandbreite des Albums ist enorm: nach einem kurzen „Wintro“ befinde ich mich bei „All These People Around Me“ mitten unter Westerngitarren, zelebriert von Henrik Raabe auf einem seiner selbst gebauten und (noch) nicht käuflich erhältlichen Instrumente. Im nächsten Moment werde ich auf „The Floor Morphosis“ von einer Basswelle überrollt, die sich nach kurzer Zeit entgegen meiner ersten Erwartung nicht zu einem bitterbösen und dunklen Clubmonster entwickelt, sondern auch dank Florian Schirmachers Vocals ihre ganze Schönheit entfaltet und sich in einem langsamen Housetrack bricht, um gegen Ende erneut zum Vorschein zu treten.

Auf „The Black Sea“ sind – man hatte es angesichts des Titels erwartet – Balkanklänge zu vernehmen. Allerdings nicht mehr als nur angedeutet, der Rest wird in den Gehör- und Gehirnwindungen meines Kopfes zusammengesetzt. So ist dieses Stück nicht ohne weiteres unter den mittlerweile ohnehin schwer strapazierten Begriff „Balkan-was-auch-immer“ zu verorten. Es wurde, so die Band, inspiriert von dem Anblick des Mondes über dem Baltischen Meer nach einem Auftritt in Odessa. Nur allzu gerne wäre man dabei gewesen…

Es gibt vieles in der Musik von Wareika, bei dem mir eine Definition schwer fällt bis unmöglich erscheint. In dieser nicht definierbaren Vielschichtigkeit liegt die produzententechnische Meisterleistung aller drei, wobei Jakob Seidensticker, nicht zu Unrecht auch „MPC-Wizard“ genannt, vermutlich den größten Hut aufhatte, was die Abmischung der zahlreichen Sounds und Spuren betrifft.

Nach einem „Winterlude“ geht es weiter mit „Five Edges“, einer reinen Instrumentalnummer, die das aus zahlreichen Auftritten der Band bekannte „All Little Things“ hervorragend einleitet – einem Track, der bereits weltweit zu Hysterie auf den Tanzflächen geführt hat. Florian Schirmacher liefert mit seiner Stimme das prägnante Element des Liedes. Nicht zuletzt aus diesem Grunde bezeichnen ihn viele auch als „The Voice“, wohingegen er sich in erster Linie als Produzent und DJ versteht.

Schirmachers Stimme ist unverkennbar, klar und facettenreich. Der Umstand jedoch, dass er sie nicht nur bei Wareika, sondern auch bei zahlreichen anderen Projekten beisteuert, birgt mitunter die Gefahr, dass der aufmerksame Hörer sich des Gefühls eines Überhörens nicht verwehren kann. An einigen, wenigen Stellen auf „Wternal“ möchte diese Stimme für meinen Geschmack etwas zu viel, ohne aber sich je aufzudrängen.

„Ocean’s Drive“ ist für mich einer der besten Titel des Albums: absoluter Flow, eingängige, loopbasierte Gitarren- und Synthiegrooves, gespickt mit Vocalsamples von Florian Schirmacher und darüber hinaus grandios abgemischt. Der Name ist hier Programm und vermittelt bestens die Stimmung des Stücks – auch wenn die Betitelung von Wareika’s Produktionen meines Wissens nach noch nie im Vordergrund stand: zu Havana Boys – Zeiten jedenfalls waren die Arbeitstitel meist „Meik“ und „Mareen“.

Es geht hier ausschließlich um die Musik – das merkt man in jeder Sekunde des Hörens.

„La Paloma“ in Langspielformat halte ich allerdings für eine äußerst unglückliche Entscheidung. Dieses Stück hätte gerne auf „Wternal“ fehlen dürfen. Es ist keineswegs so, dass ich diese Nummer nicht schätzte: die damalige Single, die erste auf Renate, war toll. Entweder man mochte sie oder man konnte sich die Coverversion von – nein, nicht Hans Albers, sondern – Sebastián de Yradiers Original nicht anhören. Sie war alleinstehend, außergewöhnlich gar und das machte ihren besonderen Charme aus. Eingebettet in elf (zwölf) weitere Tracks von Wareika macht sie auf „Wternal“ für mich aber keinen Sinn. Im Gegenteil: „La Paloma“ nimmt etwas von der Harmonie der Zusammenstellung der anderen Stücke – auch wenn diese Nummer zur Erweiterung der bereits eingangs erwähnten musikalischen Bandbreite des Albums beiträgt.

„Madame Scorpion“, Derek Kamm featurend, war bereits zuvor als Single ausgekoppelt worden, inklusive eines Remixes von Henrik Schwarz und wurde auch visuell umgesetzt.

„After Berlin“ ist eine Nummer, zu der mir auf Anhieb nur diese Worte einfallen: Chapeau, messieurs – ein weiteres Highlight neben „Ocean’s Drive“! Hieran schließt sich – zumindest auf der CD – der letzte Track an:  „Wternal“, ein überaus passender Abschluss.

Das bereits vom DJ Mag präsentierte „Christmas Dub“ trägt als digitaler Bonustrack die Nummer 13. Als Titel innerhalb des Albums hätte ich ihn mir eher gewünscht – das wiederum ist lediglich persönlicher Geschmack und bleibt der künstlerischen Freiheit überlassen.

„Wternal“ ist ein tolles Album, nicht nur für den Club. Man sollte sich die Zeit nehmen, dieses Werk von vorne bis hinten durchzuhören – Tracks skippen verboten, mit Ausnahme vielleicht von „La Paloma“.

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